Karjalan kannas - matka Vuoksen rannoilla
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Impressionen von der Karelischen LandengeEnde Mai 2000 nahmen wir an einer Busreise teil, die uns von Imatra aus in die Gegend zwischen Finnischem Meerbusen und Ladoga-See führte. Zwei Nächte übernachteten wir in Priosersk, dem früheren Kexholm. Die Hinfahrt sollte entlang des linken Wuoksen-Ufers und die Rückfahrt entlang des rechten Ufers vor sich gehen, allein die schlechten Straßenverhältnisse zwangen uns am ersten Tag zur Umkehr und auf die Wiborg-Petersburg-Straße. Im Wesentlichen ist das Straßennetz dasselbe wie zur finnischen Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, doch sind die damals wichtigen West-Ost-Verbindungen seither total vernachlässigt worden und nur die Straßen, die nach Petersburg/Leningrad führen, wurden einigermaßen instand gehalten. Zur Sowjetischen Zeit war ein mindestens 40 km breiter Streifen zur finnischen Grenze hin eine Zone, für deren Betreten spezielle Ausweise verlangt wurden. Noch heute gibt es an den Zufahrtsstraßen um Wiborg herum Sperren und Ausweiskontrollen! Im Grenzstreifen war u. a. Forstwirtschaft untersagt, auch sonst genoss die Natur eine fast 50 Jahre währende Schonzeit. In den letzten zehn Jahren dagegen hat der russische Raubkapitalismus damit begonnen, die Wälder abzuholzen. Täglich bringen 4-5 Zugladungen Holz durch den Bahnhof Imatra als Rohstoff für finnische Papierfabriken. Die unterbesetzten Umweltbehörden führen einen verzweifelten Kampf gegen die Ausbeutung der Natur. Gerade diese Woche (30.5.2000) hat Präsident Putin die Umweltbehörden abgeschafft, alle Beamten entlassen und die Umweltfragen dem Ministerium für die Verwaltung der Bodenschätze übertragen. Es scheint, dass damit alle Bemühungen für eine Bewahrung der nordischen Wälder in Russland zunichte gemacht worden sind. Zu unserer Gruppe gehörten Spezialisten für Archäologie, Forstwirtschaft und Kriegsgeschichte. Neben dem Umweltschutz waren die Hauptthemen der Reise die Vorgeschichte Kareliens von der Steinzeit bis zur Neuzeit und die Geschichte der Sowjetisch-finnischen Kämpfe 1939-44. Die karelische Landenge ist seit Ende der letzten Eiszeit bewohnt gewesen. Der älteste archäologische Fund ist das Fischnetz von Antrea (10300 Jahre alt). Sogar die Ballaststeine dieses Netzes sind schön verziert, ein Phänomen, das kennzeichnend für die Ästhetik dieses Landstriches durch die Jahrtausende geblieben ist. Der Wuoksen war ein wichtiger Wasserweg. Zur Wikingerzeit war Karelien Umschlagplatz zwischen Skandinaviern und den Kaufleuten von Novgorod. Die Blütezeit der Karelier, die zum orthodoxen Bekenntnis bekehrt waren, war das 13. Jahrhundert. Danach wurde dieser Volksstamm erst von schwedischen Kreuzzügen von der Landenge weg nach Norden und Osten gedrängt, später wegen der Nähe Sankt Petersburgs zunehmend russifiziert. Nach Winterkrieg 1939/40 und Fortsetzungskrieg 1941-44 evakuierte Finnland seine Bevölkerung. Die Sowjetunion siedelte zehntausende von Russen, Weißrussen und Ukrainern an. Der Anteil Finnischsprachiger in Karelien ist heute unter 1 Prozent. In Finnland leben etwa 4000 meist alte Menschen, die karelisch sprechen. Die karelische Landenge ist, trotz oder wegen der Armut ihrer heutigen Bewohner, ein größtenteils idyllischer Flecken Land, wo die Zeit stillzustehen scheint. Die Wälder sind verwildert, die Gewässer ein Paradies für Naturfreunde, statt Getreidefelder sieht man meist weite Weiden, auf denen hin und wieder eine einzelne Kuh und einige Ziegen und Schafe weiden. Auf dem Lande sind die meisten Häuschen und Verschläge noch aus der finnischen Zeit, dagegen herrschen in den Städten die hässlichen Wohnblocks aus den 60er und 70er Jahren vor. |