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Besuch im Besatzungsmuseum und ein Winterspaziergang

Ein trüber Tag im Januar ist nicht ganz ungeeignet zur Besinnung auf unsere gemeinsame Geschichte!

Ein paar hundert Meter vom Freiheitsplatz, zur Adresse Toompea 8, dort erwartet uns ein modernes Museumsgebäude, das der unheimlichen jüngsten Geschichte Estlands gewidmet ist. Von 1940 bis 1991, mehr als 50 lange Jahre, war das Land von fremden Mächten besetzt, zuerst von den Russen, dann den Deutschen, und seit 1944 wieder von den Russen. Hammer, Sichel und Hakenkreuz, die Symbole des Totalitarismus, stehen für die zerstörten Hoffnungen dreier Generationen von Esten.

Durch die Machenschaften der Diktatoren auf Grund des Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin-Paktes vom August 1939 und durch Unfähigkeit der eigenen Politiker ergab sich das Land kampflos, statt wie Finnland unbeugsam zu bleiben. Der estnische Historiker Magnus Ilmjärv hat in seinem kürzlich erschienen Werk nachgewiesen, dass die damalige Gesellschaft Estlands praktisch unfähig war, sich zu wehren. Es gab keine demokratische Gesellschaft, die Presse war zensiert und die Bürger wussten nicht, was um sie herum vorging. Sogar die finnischen Zeitungen wurden im Herbst 1939 in Estland am Erscheinen verhindert, weil diese korrekt berichteten. Schließlich versank das Land in Agonie und ließ es zu, dass eine Handvoll Kommunisten die Macht ergriff und Estland wie auch die übrigen baltischen Länder "heim ins Sowjetreich" führte.

Im Sommer 1941 wurden tausende von Esten bei Nacht und Nebel festgenommen und nach Russland verschleppt. Kurze Zeit später führte der deutsche Angriff auf die Sowjetunion rasch zur Besatzung dieser Länder durch die Wehrmacht. Die neuen Herren waren auch nicht viel besser, wenn auch viele sie als Befreier begrüßt hatten. Nach drei Jahren kehrten die Russen zurück, das Land war in Trümmern.

Zu den eindrucksvollsten Exponaten gehören die Reihen von Koffern, mit denen Flüchtlinge in jenen Jahren ihre Habseligkeiten über die Ostsee nach Skandinavien retten konnten, und die Türen der Gefängniszellen, hinter die viele Tausende gerieten, die nicht flüchteten. In Vitrinen ist eine überwältigende Fülle von Dingen ausgestellt aus diesen 5 Jahrzehnten, und ausgezeichnete, auch englisch vertonte Filme vermitteln den Alltag der Menschen in jenen Jahren. Bis zu den 1970er Jahren war Estland vergleichsweise beneidenswert, mit dem höchsten Lebensstandard in der Sowjetunion, doch die verfehlte Landwirtschaftpolitik führte allmählich dazu, dass alles Fleisch und Fett aus Estland herausgeführt wurde, in die nimmersatten Bäuche der Nomenklatur in Moskau, und die Esten Fleisch oder Wurst nur noch im Werbefernsehen der unerreichbar fernen Finnen, 60 km nördlich von Tallinn, zu sehen bekamen.


Begehrtes Luxusobjekt aus jenen Jahren

Grauer Himmel über uralten Linden und Türmen


Am Fuße der Altstadt liegt ein ausgedehnter Park

Neueste Entwicklung: EU-Land Estland!

 

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