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... Nachrichten des Monats Mai 2002 aus Finnland ...

 

... Nachrichten vom 31. Mai 2002 aus Finnland ...

Drei neue Minister ins Kabinett Lipponen - Das Postenkarussel kam diese Woche in ungeahnten Schwung, obwohl der Spiegel übertrieb, als er unkte, der Rücktritt von Satu Hassi "sprenge" die Koalition. Doch dauerte es immerhin bis Mittwoch, bis die neue Zusammensetzung des Kabinetts ausgehandelt war. An Stelle der Grünen Hassi tritt der Sozialdemokrat Jouni Backman die Führung des Umweltministeriums an. Zum Ausgleich für den Machtzuwachs der Sozis wurde die Sammlungspartei mit dem Posten des Landwirtschaftsministers abgefunden, den die letzten 4 Monate der Unabhängige Tammilehto bekleidet hatte. Neuer Aufseher über den "Nährstand" wird Jari Koskinen.

Doch am Donnerstag ging es schon weiter. Kulturministerin Suvi Lindén (Sammlung) gab in der Fragestunde des Parlaments bekannt, sie träte zurück. Grund für den Beschluss war ein Formfehler, der diese Woche die Medien und die Leute erhitzte. Lindén hatte 160 000 Euro Staats- und EU-Hilfe für den Ausbau eines Golfplatzes in Oulu bewilligt. Unschönes Detail: die Ministerin besitzt einen Anteil an dem Golfplatz, wie die 800 anderen Mitglieder auch. Als ihr die Auswirkungen des Formfehlers bewusst wurden, zog sie die Konsequenzen und trat zurück. An ihre Stelle wird eine Politikerin der gleichen Partei gesucht.


Sex-Pille für Frauen in der Mache - Der Pharma-Konzern Orion in Espoo entwickelt ein Medikament, welches bei Frauen die Lust auf Sex steigern könnte. Bisher ist das Präparat namens Atipamezol erst in Tierversuchen erfolgreich getestet, und die Verträglichkeit mit dem menschlichen Organismus ist zufriedenstellend. Ob die Substanz bei Frauen die libidosteigernde Wirkung hat, soll nun in klinischen Tests erprobt werden. (Die Firma gibt in ihrer Pressemitteilung nicht bekannt, ob zu den Tests auch männliche Versuchspersonen gebraucht werden, doch Fragen kostet ja nichts!) Im Unterschied zu bisher bekannten Sex-Pillen wirkt Atipamezol nicht auf die Blutzufuhr der Schwellkörper wie Viagra oder auf Gehirnzentren, sondern regt die Ausschüttung von Noradrenalin an.

Wertpapiernotierungen:

Finnland will Methanol verbieten - Das giftige Methanol, auch als Holzsprit bekannt, ist ein billiges Lösemittel. Produkte, die Methanol enthalten, sind auf dem Etikett durch einen Totenschädel gekennzeichnet. Trotzdem starben in Finnland in den letzten 6 Jahren rund 180 Menschen an Methanol-Genuss. Deshalb hofft das Gesundheitsministerium auf die Einsicht der Bürokraten in Brüssel, wenn es wieder einmal die Erlaubnis einholt, methanolhaltige Produkte aus dem Verkauf zu nehmen. Vor einigen Jahren hatten die Sachverständigen der EU den diesbezüglichen finnischen Antrag mit ungläubigem Lachen quittiert: niemand sei so dumm, Methanol zu trinken. Ob 180 Tote genug sind, die Bürokraten umzustimmen, wird sich frühestens Ende des Jahres zeigen. Im Vergleich zu der Situation in Estland ist die finnische Bilanz noch tröstlich. In unserem südlichen Nachbarland starben dieses Jahr schon Hunderte an Methanol. Als methanolhaltige Produkte nur gegen polizeiliche Erlaubnis erhältlich waren, waren in Finnland höchsten 5 Opfer jährlich zu verzeichnen.

Pille danach: Verkauf verfünffacht - Seit 1. Mai sind Verhütungsmittel, die das Einnisten der befruchteten Eizelle verhindern, von der Rezeptpflicht befreit. Der Verkauf stieg danach schlagartig auf das Fünffache im Vegleich zum Vorjahrszeitraum.

Deutscher mit 15 000 illegalen CDs erwischt - Am Zollpunkt Nuijamaa bei Lappeenranta nahmen im April die Zöllner einen Deutschen fest, der versucht hatte, 15 000 CDs von Russland einzuschmuggeln. Seine Absicht war es, die Ware nach Deutschland zu bringen. In Russland laufen die illegalen CD-Pressen auf Hochtouren, 70 Prozent der in Westeuropa verkauften Piraten-CDs stammt aus Putin-Land.

... Nachrichten vom 28. Mai 2002 aus Finnland ...

Die Grünen verlassen das Kabinett Lipponen - Nach dem positiven Beschluss des Parlaments zum Kernkraftausbau haben die Grünen am Sonntag beschlossen, aus der Regierungskoalition auszuscheiden. Ministerpräsident Lipponen (SDP) versuchte bis zuletzt, Umweltministerin Satu Hassi zum Bleiben zu bewegen, indem er die Kompetenz und die internationale Reputation der einzigen Grünen-Ministerin lobte. Allgemein wird angenommen, dass der Austritt der Grünen schicksalhaft für die Partei sein wird, denn ob sie nach den Wahlen nächsten März noch als Partner attraktiv sein werden, ist zweifelhaft.


Putin und Halonen: Enttäuschung in Petersburg - Weitgehend von den internationalen Medien unbeachtet blieb der Besuch der finnischen Staatspräsidentin bei ihrem Kollegen in St. Petersburg. Halonen traf nur zwei Stunden nach dem Abflug Bushs in der Newa-Metropole ein. Eigentlich sollte die Präsidenten den lange zwischen den Ländern ausgehandelten Investitionssicherungsvertrag unterzeichnen. Jedoch nur einige Tage vorher hatte die russische Seite überraschend viele Änderungsvorschläge gefordert und damit die Unterzeichnung verhindert. Putin sagte zu Halonen, er wolle mit dem Vertrag warten, bis Russland als Marktwirtschaftsland anerkannt sei.

Der Vertrag hätte finnischen Unternehmen Gleichberechtigung mit den russischen Firmen garantiert und eine Vielzahl von wichtigen Investitionen jenseits der Grenze ermöglicht. Der Vertrag war dazu ausersehen, als Modell für den Rahmenvertrag zwischen Russland und der EU zu dienen. Doch vor einer Woche forderten die russischen Unterhändler, wichtige Gewerbezweige auszuklammern, darunter Bergbau sowie Land- und Forstwirtschaft. Sachverständige sehen in der Verhandlungstaktik der Russen sogar ein Zeichen dafür, dass diese gar keine ausländischen Investitionen mehr wollen.

Wertpapiernotierungen:

Kaurismäki und Outinen geehrt aus Cannes - Der Grand Prix von Cannes ging an den Film "Der Mann ohne Vergangenheit" von Aki Kaurismäki und als beste weibliche Darstellerin wurde Kati Outinen für ihre Rolle als Heilsarmisten im besagten Streifen ausgezeichnet. Es handelt sich um den bisher größten Erfolg für den finnischen Film.

... Nachrichten vom 24. Mai 2002 aus Finnland ...

Grünes Licht für Kernkraftausbau - Um 12 Uhr MEZ hat das Parlament mit 107 zu 92 Stimmen ohne Enthaltung für die Regierungsvorlage gestimmt. Damit ist der Weg frei für die Errichtung des fünften finnischen Kernreaktors. Falls er gebaut wird, wird er vermutlich neben den zwei Bestehenden Reaktorblöcken bei Loviisa am Finnischen Meerbusen entstehen.

Lipponen erinnert die großen EU-Länder an gegebene Versprechen - In Brüssel mahnte der Ministerpräsident an, dass gegebene Versprechen eingehalten werden müssten. Zweimal hätten EU-Ministerkonferenzen zugestimmt, dass neue EU-Ämter mit Vorzug in solchen Mitgliedsländern gegründet werden, die noch keine EU-Ämter beherbergen. Solche Länder sind Schweden und Finnland. Finnland beharrt auf seinem Anspruch zugunsten Helsinkis als Standort des Lebensmittelamtes. Zuletzt war der Beschluss am Widerstand von Italiens Berlusconi gescheitert. Nunmehr gibt es Gerüchte, dass Spanien die italienische Stadt Parma als Standort unterstützt.


Partek-Staatsanteile gehen an Kone - Der Lifthersteller Kone kauft überraschend den 30 Prozent-Anteil, den der Staat an dem Maschinenbauer Partek hält. Die Führung des Partek-Konzerns wurde von dem Coup überrascht. Sie hatte den Konzern mit einem Kranhersteller fusionieren wollen, doch mittels ihrer neuen Aktienmehrheit kann die Kone dieses verhindern. Der Konzernchef von Partek, Taxell, nahm unter Protest den Abschied und bezichtigte die finnische Regierung, sich unfair verhalten zu haben.

Kaum Änderungen bei der Arbeitslosigkeit - Je nach Berechnungsart lag die Arbeitslosenquote bei 9,1 - 10,4 Prozent und damit auf dem gleichen Stand wie vor zwölf Monaten.

Wertpapiernotierungen:

Kalevala wieder unter den TopTen der Oberstufen - In der PISA-Studie schnitten die jungen Finnen als beste Leser ab. Nun ist eine Untersuchung veröffentlicht worden, die den Finnisch-Unterricht an Sekundarstufen und Oberstufen mit der Lage von vor 10 Jahren vergleicht. Im Unterricht der Oberstüfler werden im Durchschnitt 10 literarische Werke abgehandelt, vor 10 Jahren waren es noch 12. Die finnischen Klassiker Kivi, Linna und Aho führen die Liste weiterhin an, doch Gegenwartsschriftsteller wie Tervo und Hotakainen sucht man vergebens. Überraschenderweise ist das Nationalespos Kalevala wieder unter den ersten Zehn, ein Jahrzehnt früher war es anscheinend unmodern gewesen. Hermann Hesse ist als Nr. 10 mit "Demian" vertreten, doch die russischen Klassiker fehlen ganz. In der Freizeit lesen die Schüler neben Gegenwartsautoren viel internationale Unterhaltungswerke von Tolkien bis Christie.

Drei neue Fährschiffe nach Estland - Im Helsinki-Tallinn-Verkehr werden diesen Sommer drei neue Fahrzeuge in Dienst gestellt. Seit Dienstag bedient die 2500 Passagiere fassende Romantika die Route und bietet gediegenen Luxus und Unterhaltung an. Die Romantika wurde von einer finnischen Werft für die estländische Reederei Tallink gebaut. Ab 7. Juni will die Linda-Line mit ihrer in Petersburg gebauten Linda-Express einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen: 60 Minuten für die Strecke Helsinki-Tallinn. Ende Juni beginnt Silja-Lines 1400 Fahrgäste transportierende Opera die 21-stündigen Kreuzfahrten auf der Strecke. Die Opera hat kein Fahrzeugdeck, sondern konzentriert sich voll auf Vergnügungsfahrten.

... Nachrichten vom 19. Mai 2002 aus Finnland ...

Die Angst des Bürgers vor der Freiheit - Eine Besonderheit des politischen Lebens in Finnland wird ein knappes Jahr vor den nächsten Parlamentswahlen wieder deutlich. Obwohl in den allermeisten Parlamenten die bürgerlichen Parteien die absolute Mehrheit besaßen, gibr es nach dem Kriege nur wenige Fälle, wo die Regierung ohne die Sozialdemokraten gebildet wurde. Das letzte Mal geschah dies 1992, doch damals lehnte die SDP von sich aus die Regierungsverantwortung ab.

Nach Umfragen wünschen sich nur ein Fünftel der Wähler, welche beabsichtigen, eine der beiden großen bürgerlichen Parteien zu wählen, eine Koalition dieser Parteien ohne die Sozis. Die Mehrheit der Wähler, die bürgerlich wählen, wünscht sich eine Koalition ihrer Partei mit der SDP. Im Zentrum sind einige Politiker so weit gegangen, dass sie dem SDP-Vorsitzenden Lipponen auch dann das Amt des Ministerpräsidenten anbieten wollen, wenn das Zentrum stärkste Partei werden sollten. Das Zentrum ist in den Umfragen etwa gleichauf mit den Sozialdemokraten bei 25 Prozent, die Sammlungspartei bei knapp 20 Prozent. Eine Koalition mit dem Zentrum ist bei vielen Politikern sowohl in der SDP als auch in der Sammlungspartei unpopulär. Das Zentrum ist berüchtigt für seine Taktik des "Nachmelkens". Erst werden Entscheidungen getroffen, doch danach wollen die Zentrumspartner nachbessern und öffentlich Punkte sammeln. Deshalb spricht vieles dafür, dass auch die nächste finnische Regierung rot-schwarz und nicht etwa rot-braun (SDP-Zentrum = ehemalige Bauernpartei) oder schwar-braun aussehen wird.

Skopos

Parlamentsmehrheit für Kernreaktor? - Der Wirtschaftsausschuss des Parlaments hat sich mit deutlicher Mehrheit für die Erlaubnis zum Bau eines fünften finnischen Kernreaktors entschieden. Am kommenden Freitag wird das Abgeordnetenhaus in Vollsitzung darüber entscheiden, ob die Atomlobby ihre Erlaubnis bekommt oder nicht. Journalisten neigen immer mehr dazu, dass sich für das Ja eine Mehrheit finden wird. Die Abgeordneten sind in ihrer Entscheidung ungebunden, in allen Parteien mit Ausnahme bei den Grünen sind sowohl Befürworter als auch Gegner des Antrags. Die Alternative, nämlich statt Kernenergie wenigstens vorübergehend mehr Erdgas aus Russland einzuführen, ist auch nicht besonders beliebt. Wenig wird dagegen darüber gesprochen, was die Industrie machen wird, wenn sie für den Kernkraftausbau die Erlaubnis erhält. Ob sie dann tatsächlich den eigenen Rechnungen glauben schenkt, nach denen die Kernenergie in Finnland wesentlich günstiger ist als in anderen westeuropäischen Staaten?


Finnische Papieringenieure retten deutsche Papierindustrie? - Von 300 Ingenieurstudenten der europäischen Papierbranche studieren 200 in Finnland. Im größten Erzeugerland von Papier und Karton, in Deutschland, studieren davon unter 50, davon 30 in München. Schon in naher Zukunft werden die deutschen Papiermühlen ihre Techniker und Ingenieure aus Finnland engagieren müssen. Dies ist um so wahrscheinlicher, als die Mehrheit der deutschen Papierfabriken schon in finnischem Besitz sind. Der Standort Deutschland lockt die jungen Experten auch wegen seiner Urbanität: Während die finnischen Papierfabriken meist auf dem Lande stehen, weit ab von der nächsten größeren Stadt, ist es in Deutschland nirgedwo weiter als ein Stunde zur nächsten Metropole. Obwohl ein Papieringenieur mit einigen Jahren Berufserfahrung Jahresgehälter von 60 000 Euro einstreicht, ist der Studiengang in Deutschland unpopulär.

Nokia verursachte Wohlstandsgefälle - Der internatinale Erfolg von Nokia hat die Finnen nicht gleichmäßig bereichert. Viele Gemeinden sind heute ärmer als vor 10 Jahren, doch vor allem Gemeinden, die Standort von Nokia-Einheiten oder Nokia-Zulieferer sind, konnten immense Einnahmenzuwächse verzeichnen. Zu den Gewinnern gehörten in erster Linie die Hauptstadtregion sowie Oulu und Salo, wo die Einkommen zwischen 1995 und 2000 um bis zu 40 Prozent stiegen, von 9 auf 13 000 Euro. Die Bewohner von Orten wie Rovaniemi dagegen sind leer ausgegangen. Einen Trost haben die Nokia-Habenichtse: die IT-Konkurse der letzten 2 Jahre haben ihnen keine Einkommensverluste bereitet, anders als im Fall Salo. In Helsinki wiederum versuchen die Planer seit Wochen verzweifelt, das Einkommensloch von 400 Millionen Euro zu stopfen, dass sich plötzlich aufgetan hat.

Der Etat der Hauptstadt muss nun mit Schuldenaufnahme ausgeglichen werden. Die Ursachen der Finanzmisere sind vielfältig. Erstens sanken die Steuereinnahmen überraschend, zweitens hatte der Staat verordnet, die reichen Kommunen zugunsten der armen zu schröpfen, drittens wird in Helsinki verschwenderisch gewirtschaftet und viertens drohen Gehaltserhöhungen der 40000 Beschäftigten.

Wertpapiernotierungen:

Kaiserschnitt ist Hit - Immer mehr werdende Mütter beantragen die Erlaubnis, mittels Kaiserschnitt entbinden zu dürfen. Manche Frauen fragen um Erlaubnis schon bevor sie schwanger werden. Waren es in den 1979er Jahren erst 8 Prozent, die chirurgisch zur Welt kamen, sind mitlerweile schon 16 Prozent der Babys ohne Bedrängnis zur Welt gekommen. Eine der Ursachen für die Entwicklung ist das steigende Alter der erstmals Gebährenden. Deshalb sind immer mehr Schwangerschaften komplikativ, doch Fortschritte in der Frühgeburtpflege führen dazu, dass heute schon 22-wöchige Föten durch Kaiserschnitt gerettet werden können. Auch persönliche Befürchtungen der Frauen führen heute leichter zur Kaiserschnittlösung. Einige glauben, normales Gebähren verringere die Lust am Sex, andere wollen die Schmerzen vermeiden. Auch viele Kliniken sparen mittels Kaiserschnitt. Falls die Geburt für das Wochenende "droht", wird zum Skalpell gegriffen, um die Personalkosten in Grenzen zu halten.

Helsinki bekommt Film-Professur - Nach dreißig Jahren Hin und Her scheint nun die Entscheidung gefallen. An der Uni Helsinki wird im kommenden Jahr ein Lehrstuhl für Film eingerichtet. Bisher ist Turku die einzige Uni, wo das Studium des Films von einem vollbeamteten Hochschullehrer geleitet wird. Helsinki ist Standort des finnischen Filmarchivs, und nach Ansicht der Fachleute soll sich Helsinki voll auf Filmgeschichte konzentrieren. In Turku widmet sich die Lehr- und Forschungstätigkeit gleicherweise dem Fernsehen wie dem Film.

... Nachrichten vom 14. Mai 2002 aus Finnland ...

Lehrergewerkschaft droht mit Druck - Die Gewerkschaft der Akademiker Akava will ihren Gehaltsforderungen mit organisierten Maßnahmen durchdrücken und vertraut auf Unterstützung durch andere Gewerkschaften. Die Angestellten in den Gemeinden, Lehrer, Kindergärtner und Beamte sprechen schon seit Monaten von Streikplänen für den kommenden Herbst. Sie pochen auf ihre langen Ausbildungszeiten und sehen sich gegenüber Arbeitnehmern in der Industrie benachteiligt. Andererseits hat kaum eine Kommune genut Geld, um auch nur die gesetzlichen Verpflichtungen hinsichtlich Gesundheits- und Altenfürsorge zu erfüllen. Falls es zum Streik kommt, kann man ihm eine lange Dauer und wenig Aussicht auf Erfolg voraussagen.


Elisa gibt deutsche Mäkitorppa-Filialen auf - 22 Millionen Euro Verlust bei 27 Millionen Euro Umsatz - diese unschöne Relation veranlasst den finnischen Telekonzern Elisa zum Werfen des Handtuchs im deutschen Markt. Seit 1999 versucht die Elisa, mittels ihrer zuletzt 25 Mäkitorppa-Läden deutsche Kunden zu werben, doch mit großen Verlusten. Statt wie in Finnland für Handys den normalen Ladenpreis zu zahlen und unabhängig davon dann den günstigsten Betreiber zu wählen, wählen die deutschen Kunden mit dem Handy-Modell auch gleich den Betreiber, der in der Regel eben nicht zum Elisa-Konzern gehört.

Um die Verluste aus dem Deutschland-Abenteuer zu decken, sollen nun natürlich die finnischen Verbraucher blechen, wer denn sonst? Der Festnetz-Tarif außerhalb der Dienststunden von 17 Uhr bis 7 Uhr stiegt ab Anfang Juli von 0,5 auf 1,0 Cent pro Minute und die Initialgebühr auf 12 Cent pro Gespräch. Damit entfällt der günstige Nachttarif ganz. Noch vor einigen Jahren konnten die Kunden des Elisa-Vorgängers Helsinki Telefongesellschaft abends und nachts praktisch umsonst telefonieren, denn ein "Gespräch" kostete 3 Cent ohne Zeitbeschränkung. Elisa begründet die Preiserhöhung damit, dass heutzutage in der Netzauslastung kaum ein Unterschied zwischen Abend- und Tagstunden besteht, denn abends wird zu Hause im Net gesurft und tagsüber sprechen immer mehr per Handy. Den Internet-Nutzern empfiehlt die Elisa ihren ADSL-Anschluss für 50 Euro monatlich ohne Zeitbegrenzung.

Wertpapiernotierungen:

Russland lehnt Bürgschaft für Kläranlagen ab - Die Regierung in Moskau will nicht für die Kredite bürgen, mit denen die Kläranlagen von St. Petersburg und Königsberg fertiggestellt werden sollen. Die von der Europäischen Investmentbank bereitgestellten 100 Millionen Euro wären der erste Kredit dieser Art für Investitionen im russischen Umweltschutz. Die Russen jedoch wollen das Geld lieber in Energieprojekte investieren. Der Vizedirektor der EIB, Nowottny, bat bei seinem Besuch in Helsinki die finnische Regierung, mittels EU Druck auf Moskau auszuüben, damit der Kreditvertrag nicht scheitert.

Dreifacher Mörder auf Urlaub: verschwunden - 1988 kam es zu einer Tragödie im schwedischen Åmsele: der herumtrampende Finne Juha Valjakkala wollte ein Fahrrad klauen, die Besitzer, ein 13jähriger Junge und dessen Vater wollten den Diebstahl verhindern und wurden von Valjakkala erschossen. Die Mutter des Jungen wurde anschließend erstochen aufgefunden. In Schweden zu lebenslänglich verurteilt, gelang es Valjakkala schon 1994, aus einem finnischen Gefängnis zu entfliehen, indem er eine Geisel nahm. Vorige Woche zu einem zweitägigen Zivilurlaub entlassen, meldete sich Valjakkala nicht mehr zurück. Ebenfalls flüchtig ist dessen Frau, das Paar saß im gleichen Gefängnis und heiratete vor einem Jahr. Über die Tragödie von Åmsele drehte der Regisseur Jan Troell 1991 den Film "Il Capitano".

... Nachrichten vom 08. Mai 2002 aus Finnland ...

Parlamentarier besorgt über Ostseeverschmutzung - In der Aussprache im Parlament am Dienstag kritisierten die Abgeordneten die ungenügende Kontrolle der Schiffahrt im Finnischen Meerbusen. Obwohl seit zwei Jahren die Entsorgung von Abwässern und Müll automatisch bei den Hafengebühren angerechnet wird, lassen viele Schiffe ihre mit Altöl belasteten Abwässer immer noch lieber in die Ostsee. Als Abhilfe empfahlen einige Abgeordente obligatorische Umweltlotsen für alle Fahrzeuge auf dem Meerbusen.

Finnland erhielt Umwelt-Preis des WWF - Der Welt-Naturfond verlieh der Regierung Finnlands seine höchste Auszeichnung, das "Geschenk an die Erde", für die Bemühungen um die Bewahrung der Ostsee. Dem Direktor von WWF, Claude Martin zufolge ist die diesbezügliche Umweltpolitik Finnlands eine Herausforderung an andere europäische Regierungen.

Keine Änderung in der Kernenergiefrage - Noch immer sind die Finnen in ihrer Stellungnahme zum Kernkraftausbau in zwei etwa gleich große Lager gespalten, von hundert Befragten sagen 4 Ja, 46 Nein zum Bau eines fünften finnischen Kernreaktors für die Stromerzeugung. Ende des Monats soll das Parlament über die Bauerlaubnis entscheiden, doch der Ausgang der Abstimmung ist auch dort ungewiss. Falls die Zustimmung kommt, wollen die meisten Entscheidungsträger der Grünen die Koalitionsregierung Lipponen verlassen.


Tornio-Fluss wird Natura-Gebiet - Die Regierung ergänzte das Netz der finnischen Gebiete im Rahmen des EU-Natura 2000-Projektes um insgesamt 67000 ha. Wichtigster Zugang ist der Grenzfluss zwischen Schweden und Finnland, der bedeutendste im Naturzustand befindliche Fluss der EU. Zusammen mit seinem Nebenfluss Muonio gehört er nun zum Natura-Programm. Insgesamt sind in Finnland 4,9 Millionen Hektar vom Programm erfasst, die größten geschlossenen Gebiete liegen im nördlichen Lappland.

Fünf Konzerte feiern Rautavaara - Die Helsinki Philharmonie unter Leitung des jungen Stardirigenten Mikko Franck widmet in dieser und der nächsten Woche fünf Konzerte der Musik von Einojuhani Rautavaara (73), des vielleicht besten finnischen Komponisten nach Sibelius. Auch die Nationaloper führt diesen Monat zweimal das "Sonnenhaus" von Rautavaara auf.

Opernsänger wegen Steuerhinterziehung angeklagt - Jyrki Niskanen, einer der bekanntesten finnischen Opernsänger, hat nach Meinung der polizeilichen Ermittler Einkünfte aus internationaler Tätigkeit am Fiskus vorbei geschmuggelt und Immobilien an Familienmitglieder scheinverkauft. In den Fall soll auch ein Direktor der Nordea-Bank verwickelt sein, mit dessen Hilfe Niskanen über ein Scheck-Kreditkonto rund 300 000 Euro Bezüge laufen ließ, ohne das die Gerichtsvollzieher an das Geld konnten, denn das Konto war fortwährend im Minus. Die Gerichtsvollzieher hätten Niskanens Gelder für Schulden beschlagnahmt, die aus dem Konkurs einer Firma im Jahre 1995 stammen.

Geschwindigkeitüberschreitungen wachsen stetig - Auf Finnlands Straßen wird immer mehr aufs Gaspedal gedrückt statt die Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten. Obwohl die Kontrollen wegen Personalmangel eher abnahmen, verhängte die Polizie im Jahre 2001 rund 15 Prozent Fahrverbote wegen Rasens mehr als im Vorjahr. Im Schnitt dauern die Fahrverbote etwa zwei Wochen. Die Fahrer riskieren ständig mehr und die Durchschnittsgeschwindigkeit steigt, gleichzeitig steigt die Zahl der Verkehrsopfer.

Petersburg baut neuen Finnland-Bahnhof - Russland investiert in den nächsten Jahren rund 200 Millionen Euro in den Ausbau des Schienennetzes und in neue Bahnhöfe. Die Fahrzeit der Züge zwischen Helsinki und der nördlichen Metropole St. Petersburg soll in diesem Jahrzehnt auf drei Stunden (von jetzt 5) gedrückt werden. Auch der Anschluß der Helsinki-Trasse an die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Moskau ist geplant.

Schon im nächsten Jahr wird östlich vom historischen Zentrum Petersburgs neuer Ladoga-Bahnhof in Betrieb genommen. Dann wird der Reisende aus Finnland dort aussteigen und nicht mehr wie der berühmteste Reisende dieser Strecke, Wladimir Lenin im April 1917, am Finnischen Bahnhof am Nordufer der Neva.

... Nachrichten vom 03. Mai 2002 aus Finnland ...

Hägglund: EU und Nato unter ein Dach - Der ehemalige Oberbefehlshaber der finnischen Armee und jetzige Vorsitzende des EU-Verteidigungskomittees Gustav Hägglund regt an, EU und Nato zu vereinigen. Die europäischen EU-Staaten wären dann für die europäischen Sicherheitsfragen zuständig, USA und Kanada für globale Sicherheitsfragen. Hägglund sieht, dass die Rolle der Verteidigungsbündnisse nach dem Terroranschlag in den USA sich deutlich verändert hat. Sein Vorschlag ziele nicht auf eine Trennung Europas von den USA ab.


Keine Staatssubventionen für Digi-TV - Das seit vorigen August ohne Zuschauer ausgestrahlte digitale Fernsehen kann nicht damit rechnen, dass der Staat einspringt, indem er den Haushalten die erforderlichen Digiboxen spendiert. Statt dessen sollen für die noch drei freien Digikanäle neue Betreiber gesucht werden. Offizielle sollen die analogen TV-Kanäle nur noch bis 2006 funktionieren, doch bisher sind erst etwa 1 Prozent der Haushalte mit digitalen Empfangsgeräten ausgerüstet.

Einigung über Schuldsklaven-Regelung - Zwischen Regierung und Banken ist beschlossen worden, den noch immer Zehntausenden von Langzeitschuldnern einen Weg in die Entschuldung anzubieten. Nach der Wirtschaftskrise vor über 10 Jahren hatten viele Kleinunternehmer, Hausbesitzer und solche, die für Familienmitglieder gebürgt hatten, ihr gesamtes Eigentum an die Gläubigerbanken verloren und waren unfähig, die durch Zinsen angewachsenen Schulden abzutragen. Den Banken wird auch böswillige Ausnutzung der Schuldner nachgesagt. Nun sollen die Schuldner von den neuen Chancen benachrichtigt werden. Wer von Sozialhilfe lebt, kann ganz von den Schulden befreit werden, andere sollen realistische Summen zurückzahlen und danach wieder ein normales Leben führen können.

0,7 Monatsgehälter reichen für 1 Quadratmeter Wohnfläche - Mit einem Durchschnittsgehalt kann man zur Zeit ein Siebtel eines Quadratmeters einer normalteuren Wohnung in Helsinki erwerben. Damit sind die Wohnungen trotz des starken Anstiegs der letzten Monate noch billiger als vor 14 Jahren. 1988 reichte ein damaliges Salär nur für 0,4 qm in Helsinki. Im ganzen Land ist die entsprechende Ziffer heutzutage 1,1 qm.

Mehr Tempo auf Finnlands Schienen - Ab Anfang Juni können die Fernverkehrszüge der Staatsbahnen auf vielen Strecken schneller fahren als bisher. Die bisherigen Höchstgeschwindigkeiten werden danach um 20 km/h erhöht, von 140 auf 160 bzw. von 120 auf 140. Somit verkürzt sich die Fahrt mit dem IC zwischen Jyväskylä und Helsinki um eine halbe Stunde. Gleichzeitig geht die VR auf den Hauptstrecken in den Stundentakt nach deutschem Vorbild über. So werden die Züge nach Tampere stündlich um 4 Minuten nach Voll abfahren (so Gott will), und um 8 Minuten vor Voll in Tampere einlaufen (falls nichts dazwischen kommt).

10 Piraten-Scheiben sind genug - IN Vorbereitung ist eine Gesetzesänderung, wonach die Einfuhr von mehr als 10 illegal kopierten Kasetten oder CDs strafbar wird. Zur Zeit darf man z.B. aus Wiborg noch bis zu 100 der Produkte aus russisch-chinesischen Piratenschmieden zu persönlichen Zwecken einführen. Viele jedoch missbrauchen diese Großzügigkeit und verbringen täglich 100 davon über die Grenze, wo sie damit ihrerseits Handel treiben.

Sommerwochenende - Höchsttemperturen zwischen +26 im Binnenland und +20 Grad an den Küsten und im äußersten Norden.

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