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Helsinki in Monumenten |
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![]() BahnhofsplatzWir beginnen unseren Spaziergang auf dem Bahnhofsvorplatz. Hier steht vor dem Nationaltheater das Denkmal für Aleksis Kivi. In Brechts "Flüchtlingsgesprächen", deren Schauplatz das Bahnhofsrestaurant ist, wird angemerkt, Kivi sehe aus, als träume er gerade von einem Stück Brot. In der Tat starb der Dichter des genialen Romans "Die sieben Brüder" verkannt und in völliger Armut 1870. Niemand weiß, wie der Dichter wirklich ausgesehen hat. Auf jeden Fall war er groß gewachsen, ein guter Jäger und Fischer und keinesfalls so kränklich, wie ihn das Denkmal darstellt.
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![]() SenatsplatzIm Zentrum des Senatsplatzes steht das Denkmal für Kaiser Alexander II von Russland, Großfürst von Finnland. 1861 erließ er das Gesetz zur Befreiung der Leibeigenen, 1881 war er auf der Fahrt zum Staatsrat, wo er im Begriff war, Russland eine Verfassung nach dem Vorbild Finnlands zu geben, als Terroristen eine Bombe warfen, die ihn zerriss. Zur rechten Seite, gegnüber der Universität, ist der Sitz der finnischen Regierung. 1904 erschoss dort im Treppenhaus der Student Schauman den russischen Generalgouvernör Bobrikoff. Das Viertel um den Senatsplatz musste oft als Kulisse für westliche Filmproduktionen dienen, die Straßenszenen in russischem Milieu drehen wollten. Alle Gebäude hier sind von dem Architekten Carl Ludwig Engel aus Berlin entworfen und gebaut worden, bezahlt vom Zaren in Petersburg. Die Figur des Kaisers stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Walter Runeberg, Sohn des Dichters Johan Runeberg. Der Auftrag brachte ihm zu Lebzeiten nur Verdruss! Kritikern zuliebe musste er alle Falten aus den Hosen des Kaisers entfernen, auch das Gesicht sei nicht ähnlich genug. (Alexis Kivi soll gesagt haben, nachdem er Alexander I. bei dessem Helsinki-Besuch gesehen hatte: "Er hat ein Schafsgesicht"). Die böswilligen Stadtväter gingen so weit, dass sie dem Bildhauer das viele Tonnen schwere Denkmal komplett verpackt nach Paris in Atelier schicken ließen: Gebühr bezahlt Empfänger! Vor dem Auftrag war Runeberg ein wohlhabender Mann, danach nicht mehr.
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![]() MarktplatzVom Senatsplat aus erreichen Sie den Marktplatz, eines der Touristenmagnete der Stadt. In der Mitte des Marktplatzes ragt eine Säule, auf der vergoldet der Reichsapfel und der russische Doppeladler zu sehen sind. Diese Kaiserin-Säule wurde von den Bürgern Helsinkis zu Ehren des Besuchs der Gattin Alexanders III gestiftet. Bis zum Regierungsantritt des letzten Zaren, Nikolaus des Zweiten, waren die finnisch-russischen Beziehungen ungetrübt. Zwischen Marktplatz und Esplanadenpark steht der Brunnen mit der Statue Havis Amanda, abgekürzt Mantta. Mantta verkörpert die Seele Helsinkis, der Tochter der Ostsee. Heute von allen geliebt, war das nackte Fräulein anfangs sehr umstritten. Es heißt, aus Rache über die Anfeindungen des prüden Publikums wegen der angeblichen Obszönität seiner Amanda habe der Bildhauer Ville Vallgren die Mäuler der Seehunde des Brunnens ringsum den weiblichen Genitalien nachgebildet. Wer weiß - überzeugen Sie sich lieber selbst, doch fallen Sie nicht in den Brunnen. Alljährlich hat Mantta ihre Sternstunde am Vorabend des 1. Mai, wenn sich die Studenten und alle, die einmal Studenten waren (erkenntlich an den weißen Mützen) um den Brunnen versammeln. Dabei hat eine Abordnung der Studentenschaft die Ehre, Mantta von Kopf bis Fuß zu waschen und ihr danach eine eigene Studentenmütze aufzusetzen. Alsdann darf auch das Publikum sich bedecken und die Sektkorken knallen lassen. Der Erste Mai ist Frühlingsfest, Rosenmontag und Arbeitertag zugleich.
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![]() Esplanade-ParkEin paar Schritte weiter, inmitten des Esplanadi-Parks, jenseits des traditionsreichen Restaurants Kappeli, steht auf hohem Sockel der finnlandschwedische Nationaldichter Johann Ludwig Runeberg, der wichtigste Dichter der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der skandinavischen Literatur. Sein bekanntestes Werk ist Fähnrich Ståhl. Darin besingt Runeberg den heldenhaften Widerstand gegen die vorrückenden russischen Armeen in den Jahren 1806-08. In Wirklichkeit war das Volk müde des ewigen Kriegführens und begrüßte die Russen als Befreier.
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Der Esplanadi-Park entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts und stand anfänglich nur wohlhabenden Bürgern offen.
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Paasikivi-PlatzWir spazieren am Kaufhaus Stockmann vorbei und die Mannerheimstraße hinauf. An der verkehrsreichsten Kreuzung Finnlands stehen hier die Statuen zweier Staatspräsidenten.
Aus dem Sprössling eines verarmten finnlandschwedischen Adelsgeschlechts wurde in St. Petersburg erst Gardeoffizier und später General der russischen Armee. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches kam er zurück in seine Heimat, übernahm das Oberkommando über die Weißen im Bürgerkrieg 1918 und führte seine Truppe, mit aktiver Hilfe deutscher Truppen, zum Sieg über die Roten Garden. Wo das Reiterstandbild steht, nahm Mannerheim damals die Siegesparade ab. Mannerheims Heim ist eines der interessantesten Museen Helsinkis, es liegt in der Nähe des Hafens im Stadtteil Ullanlinna. Der Aristokrat war ein eifriger Sammler und Fotograf. In den zwanziger Jahren gründete er die nach ihm benannte Kinderschutzstiftung.
Durch Winterkrieg und Fortsetzungskrieg (1941-44) sowie Lapplandkrieg (1944/45) unterstand die Armee dem Marschall von Finnland. Im Herbst 1944 übernahm er das Amt des Staatspräsidenten und machte den Weg frei für den Waffenstillstand mit Russland. Der Architekt des dicht neben dem Reiterstandbild errichteten Museums "Kiasma", Steven Holl, glaubte fest daran, dass Mannerheim früher oder später von seinem angestammten Platz weichen würde. Anders ist es gekommen. Besonders bei Dunkelheit wirft Mannerheim seinen übermächtigen Schatten auf die "Wellblechbanane", die sich zu einer wirkungsvollen Kulisse für den Marschall degradiert sieht. Mannerheim hat auch diesen Kampf noch gewonnen.
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Parlamentsgebäude
Statt eindrucksvoller gegenständliche-naturalistischer Statuen setzte sich eine abstrakte Formensprache durch, von der Paasikivi ein gutes Beispiel abgibt. In der Politik stand er unbeirrbar wie ein Fels in der Stromschnelle, und so umrunden sein Denkmal heute die Busse und Straßenbahnen in nie endendem Getöse. Das Volks sieht in dem Standbild eine Allegorie des Präsidentenpaares, des hageren Juho und seiner beleibten Gattin.
Auf dem linken Trottoir der Mannerheimstraße kommen wir zum Parlamentsgebäude, dem gewaltigen Granitklotz. Davor begrüßen uns zuerst das Standbild Svinhufvuds, darauf der erste Präsident Finnlands, Ståhlberg und später noch Kallio. Ståhlberg war der erste finnische Staatspräsident. Eigentlich wollten die nach dem Bürgerkrieg 1918 die Oberhand gewonnenen nationalen Kräfte aus Finnland ein Königreich machen, und aus Deutschland war schon ein passender Prinz als Väinö I ausgesucht. Doch der Zusammenbruch des Wilhelminischen Reichs zwang zum Umdenken, und aus Finnland wurde eine Republik mit sehr starker Rolle des Präsidenten. Erst in den letzten 20 Jahren sind dem Staatspräsidenten die Befugnisse zugunsten des Parlaments beschnitten worden, und viele wollen das Amt in Zukunft am liebsten abschaffen.
Zwischen 1930 und 1937 war Svinhufvud Staatspräsident. Seiner unbeirrbaren Rechtsstaatspolitik ist es zu verdanken, dass der Versuch, in Finnland nach italienisch-deutschem Muster eine faschistische Bewegung ans Ruder zu bringen, missland. Der Mäntsälä-Putsch im Frühjahr 1932 scheiterte kläglich. Im Volksmund "Ukko-Pekka" genannt, war Svinhufvud einer der wenigen Prominenten, die ihren Namen nicht verfinnischen ließen. "Svinhufvud" bedeutet ja "Schweinekopf".
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Finlandia-Haus
25 Jahre lang, von 1956 bis 1981, hieß der Staatspräsident Finnlands Urho Kalevi Kekkonen, im Volksmund Urkki genannt. Sein Regierungsstil hatte viel Ähnlichkeit mit aufgeklärtem Absolutismus, wer sich gegen Kekkonen stellte, wurde systematisch kaltgestellt. Mittels Kekkonens Umarmungstaktik mit den Russen, von Chrustschow bis Breschnew, mit vielen Bruderküssen natürlich, baute er die außenpolitische Bewegungsfreiheit Finnlands systematisch aus. Schließlich konnte das Land ein Freihandelsabkommen mit der EWG abschließen und gleichzeitig die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit 1975 bewirten.
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Mehr über die Kalevala und die Geschichte des finnischen Volkes erfahren Sie schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite im Nationalmuseum. Dort sind auch die gewaltigen Fresken zu bewundern, die Axel Gallén-Kallela Anfang des 20. Jahrhunderts nach Kalevala-Motiven schuf. Das Museum ist frisch renoviert! |
Hesperia-Park
Die kantigen Stahlträger dieses Werkes sprechen von der Tragödie dieses Mannes. Stalin verlangte als Bedingung für den Waffenstillstand 1944 u.a. die Bestrafung der Kriegsverbrecher. So mussten sich die Führer der finnischen Republik, an der Spitze Ryti und der Sozialdemokrat Tanner, in Schauprozessen zu Gefängnisstrafen verurteilen lassen, um eine Besetzung des Landes zu verhüten. |
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Die vier Granitwürfel des Relander-Monuments sind von Matti Peltokangas. Relander war Staatspräsident zwischen Ståhlberg und Svinhufvud in den 1920er Jahren.
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Das Monument hat den Namen "Königsgedanke" und soll wohl die Welt der Waltarischen Romane in Stein darstellen, Ruinen aus vergangenen glänzenden Zeiten. Das Elite ist eine preiswerte Gaststätte mit langer Tradition. Versuchen sie die Portion Ostseeheringe mit Kartoffelpüree! |
![]() Sibelius-ParkNun ist es Zeit, einen etwas weiteren Spaziergang hinüber zum Sibeliusdenkmal zu machen. Dies ist einer der meistfotografierten Plätze in Helsinki. Zuerst war die Öffentlichkeit entrüstet über den Entwurf der Bildhauerin Hiltunen, deshalb musste sie dem eigentlichen Monument noch eine gegenständliche Maske des Komponisten hinzufügen. Zum Sibelius-Denkmal gehört folgender Witz:
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![]() Olympia-StadionZum Schluss machen wir einen Abstecher zum Olympiastadion und begrüßen Paavo Nurmi, den "Fliegenden Finnen", der in den Olympischen Spielen der 20er Jahre 9 Goldmedaillen gewann. Das Olympiastadion wurde für die Spiele 1940 gebaut, die dann wegen des 2. Weltkrieges verschoben wurden und schließlich 1952 stattfanden. |
-Artikel: Helsinkis Sightseeing-Tram
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